Erstma': Frohe Ostern!Mag sein, dass ich mich an einer Nebensächlichkeit festbeiße. Also, gedanklich, weil ich schnall es mal wieder nicht.
Was passiert?
Einfach:
Ich hatte eine sehr liebe Einladung zu Karexerzitien in JWD von Gründonnerstag bis Ostersonntag schon bevor meine Nuklear-Behandlung anfing. Ehrlich gesagt, hatte ich nach den sechs Tagen kuscheln mit Atomen auf Radio-Island keine große Lust mehr auf Pampa und/oder Stille. Die Isolation fand ich aber nicht wirklich erbaulich und Exerzitien ja eh was anderes wie getting locked up for a while, allerdings macht mich die noch anhaltende Steroid-Kur auch nicht gerade besonders ... äh... also sie ist nicht beruhigend.
Ich fühl mich phasenweise wie ein Duracell-Hase.
So war ich also richtig schön unentschlossen... fahren .... nicht fahren.... doch fahren?
Was mich dann doch fahren ließ, war ein komische Bemerkung von jemanden. Ich hatte nur kurz erwähnt, dass ich schön unentschlossen war, nicht wirklich nach Rat gefragt und bekam ihn trotzdem... als ich die Gastgeber erwähnte.
Oh, ich arbeite mich also in der Tradi-Ecke zum harten Kern vor, ja?
Na, das Tag kam passte ja wie Faust aufs Auge. Is' ja nich so, als würd' ich mich darüber nicht schon seit Wochen hier - und sehr viel länger in live- ärgere.
Und danke! Das war wirklich hilfreich. Weckte Neugier, die ja bekanntlich nicht nur Katzen tötet, sondern auch akute Unlust. Sachen packen und los!
Und was war? Schön war's!
Die da in der Tradi-Ecke stehen sind meist deutlich jünger als die durchschnittliche Pfarrgemeinde.
Und ja, es handelt sich hier um eine Gemeinschaft, die sich ausdrücklich der Jugendarbeit widmet, aber es gab keine Altersobergrenze für die Teilnehmer und daher war es schon verwunderlich, dass ich als Ü30 fröhlich mit UB40 "I'm the One in Ten" hätte singen können.
Die Leute hatten Bock auf das, was sie da machten.
Und nein, es war nicht alles in Latein und e.o. Es gab genau eine "Alte" alle anderen heiligen Messen wurden in der "normalen" Form gefeiert. Und in Reihe bewiesen, dass man auch die "Neue" in Ruhe feiern kann und es keine kreatives Gewusel braucht, um jungen Leuten die Liturgie nahe zu bringen oder aktive Teilnahme zu sichern.
Die Predigten bezogen sich schlicht auf die Texte und langweilten trotzdem oder grade daher nicht. In den Vorträgen wurde sich dann durch die Abschiedsreden gearbeitet. Es gab auch einen Vortrag zur katholischen Sexualmoral mit einem "Was geht und was geht nicht vor der Ehe?" Da wurden keine starren Regeln präsentiert, sondern im Gegenteil sehr viel von Liebe und Verantwortungen und Ehrlichkeit geredet. TOB wie ich's schon aus dem Land der untergehenden Sonne kenne, allerdings mit weniger Knalleffekten vorgetragen. Es wurde das 2. Vatikanum verteidigt, im Besonderen Lumen Gentium, gegen die Bekannten Angriffe aus dem Pius-Lager und die Aussagen der Geisterbeschwörer. Übrigens nicht ohne den Hinweis, dass hier Gebet eigentlich im Moment das Dringlichste ist. Und... Hey! Fulton Sheen's "Gestalten der Passion" als Tischlesung!
Ich hatte den Eindruck, dass hier wirklich Einheit und Dialog gewollt wird. Einheit allerdings auf Grundlage der Kirchenlehre und Dialog nicht über Brain Bubbles und Wish List, sondern über das was wirklich in den Texten steht und was wirklich gerade passiert inkl. der unschönen Situation auf dem Feld in der Tradi-Ecke zu stehen, wo man nur katholisch sein will.
Bis zur Osternacht war es trotz Vorträgen still, allerdings ohne auf mich zwanghaft zu wirken. Überhaupt war die Atmosphäre recht locker und nach der Osternacht knallten die Korken und dann wurde auch auf der Gitarre geschrummelt. Ich war nicht überrascht, dass ich die Lieder nicht kannte, weil deutsche Volks- und Fahrtenlieder sind jetzt nicht so meins. Wenn zu mir jemand Volkslied sagt, fällt mir "Whisky in the Jar" ein.
Nachdem ich hier so rumgeranst hatte, wegen der Art wie gerade von liberaler Seite mit Unterstellungen, Anmaßung, Verallgemeinerungen und Verkürzungen gearbeitet wird, fand ich es besonders erholsam, dass man sich bei den Diskussionen Zeit genommen wurde und man auch versucht hat, den Ist-Zustand aus der Geschichte zu verstehen. Okay, da hat dann jemand Probleme mit zwei oder drei Sätzen aus Lumen Gentium und wenn es dann zwei oder drei Stunden dauert bis der sich mit denen versöhnen kann, dann dauert das Gespräch halt so lange. Ohne das in fast jeder Gemeinde inzwischen übliche Drama und ohne Grabenkampf.*
Ich verstehe nicht, warum solche Leute geblockt werden, wenn sie ihre Arbeit in Pfarreien anbieten. Kann mir das vielleicht jemand erklären?
Ach und... Schade übrigens, dass Ameleo ihre Kommentarfunktion nur noch für Teammitglieder geöffnet hat. Sie hatte als letzte Antwort auf meine Frage was für Sie denn einen liberalen Katholiken ausmacht geschrieben, dass sie keine Attribute zuweisen würde. Als Gemeinsamkeit würde ich maximal die Bereitschaft, sich auf eine persönliche, einzigartige Gottesbeziehung einzulassen sehen und die Weigerung, sich die unendliche Größe und Vielfalt Gottes und seiner Offenbarung durch den Blick durch die Kirchenbrille einengen zu lassen.
Ich muss sagen, dass von den Leuten mit denen ich die letzten Tage verbracht habe wohl niemand ohne persönliche Gottesbeziehung ist. Und ich hätte gerne gefragt, ob sie glaubt, dass sie aufgrund ihrer so einzigartigen Gottesbeziehung meint besondere Offenbarungen erhält, die der Kirche sonst nicht gewährt worden sind.
* The Pit = Der Graben
3 Kommentare:
Interessanter Bericht. Und entspricht meiner Erfahrung, daß die die sich selbst liberal nennen auch die sind die andere am meisten ausgrenzen. Die einengende Brille, die sie monieren tragen sie selbst.
Gute Besserung wünsch ich Dir, die Therapie klingt schwer anstrengend.
Danke! Is auch anstrengend.
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